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Lassen Sie Ihre Sorgen laufen! - Gehen als kreative Problemlösung
Wer kennt das nicht!? Wir machen uns Sorgen über etwas, uns
bedrückt ein Problem, ein schmerzliches Erlebnis dämpft
unsere Stimmung oder vielleicht suchen wir verzweifelt nach der
Lösung für ein Problem. Wir stecken im wahrsten Sinne
des Wortes fest. Dann gehen wir ins Freie und bewegen uns. Und
mit der Bewegung kommt auch unser Inneres in Bewegung. Und schon
bald fühlen wir uns wieder leichter und auch die Ideen sprudeln
wieder.
Lassen Sie uns, um dieses faszinierende Phänomen zu beleuchten,
eine kleine Reise in die Vergangenheit machen: Sorgen und auch
schmerzliche Erlebnisse sind nichts Neues für die Menschheit.
All das kannten schon die Menschen vor 20.000 Jahren. Sicherlich
waren es damals andere Stressfaktoren als heute. Kämpfe mit
anderen Stämmen oder wilden Tieren. Hungersnöte und Seuchen.
Und wenn vier von uns alle paar Tage auf die Jagd gegangen sind,
dann sind nur drei davon zurückgekommen. Wie sind die drei
Verbliebenen mit diesem Trauma umgegangen? Und wie würden
die, die überlebt haben, mit dem Schock umgehen, dem Tod nur
knapp entronnen zu sein?
Es drängt sich also die Frage auf: Wie ist die Menschheit
in den letzten 20.000 Jahren mit ihren Sorgen und Problemen umgegangen – vor
dem Aufkommen der Psychotherapie?
Der menschliche Organismus verfügt über Selbstheilungskräfte.
Wenn Sie sich in den Finger schneiden, heilt dieser Schnitt. Wenn
Sie sich ein Bein brechen, dann heilt auch der Knochen wieder.
Und wenn Sie sich eine Erkältung holen, werden Sie auch wieder
gesund.
Und genauso wie Ihr Körper über Selbstheilungskräfte
verfügt, so muss es auch einen angeborenen Mechanismus geben
durch den Geist und Emotionen nach einem schmerzlichen Erlebnis
heilen! Und diesen Mechanismus gibt es. Es sind die so genannten
REM-Phasen. REM steht für Rapid Eye Movement – schnelle
Augenbewegungen. Diese treten auf, wenn wir schlafen und helfen
uns unsere Tageseindrücke zu verarbeiten. Wie sagt der Volksmund:
Schlaf eine Nacht darüber, dann sieht die Welt wieder anders
aus. Manchmal reichen die normalen REM-Phasen aber nicht aus, um
seelische Wunden zu heilen.
Aber wenn wir Menschen uns in den letzten 20.000 Jahren nicht
immer wieder von psychisch-emotionalen Schlägen erholt hätten,
dann hätte die Gesellschaft immer schlechter funktioniert.
Was ist also das Geheimnis unserer Vorfahren?
Das Geheimnis lautet: Bewegung.
Und bewegt haben wir uns vor 20.000 Jahren reichlich. Heute dagegen
leben die meisten von uns eher unbewegt.
Das Gehen ist die ursprünglichste und natürlichste Art
der Fortbewegung. Vor 10.000 Jahren haben wir beim Jagen und Sammeln
täglich 10 bis 50 km zurückgelegt. Heute bewegen sich
80 Prozent der Mitteleuropäer weniger als 1 km pro Tag. Natürlich
mit fatalen Folgen für unsere körperliche Gesundheit,
aber auch – und das wissen die wenigsten – mit fatalen
Folgen für unsere emotionale Gesundheit.
Wenn Sie eine Wunde sauber und trocken halten, dann beschleunigt
das den Heilungsprozess. Und genauso beschleunigt ganz normales
Gehen den emotionalen Heilungsprozess, und fördert Ihr mental-emotionales
Wohlbefinden.
Wie funktioniert das? Wie kann Gehen einen Einfluss auf Ihr mental-emotionales
Wohlbefinden haben? Die Antwort darauf finden Sie, wenn Sie sich
anschauen, was die REM-Phasen - die ja nachweislich Ihr emotionales
Wohlbefinden fördern - mit dem Gehen gemeinsam haben. Das
gemeinsame Wirkungsgeheimnis der REM-Phasen und des Gehens lautet:
Bilateralität.
Unter Bilateralität verstehe ich eine abwechselnde Aktivierung
der linken und rechten Gehirnhälfte. Genau dies geschieht
während der REM-Phasen im Schlaf und sorgt dafür, dass
Sie Stress verarbeiten und Ihr mental-emotionales Gleichgewicht
nach einem schmerzlichen Erlebnis wiederhergestellt wird.
Und genau das Gleiche passiert völlig natürlich durch
die abwechselnde Bewegung beider Körperhälften, wie zum
Beispiel beim Gehen. Und auch eine andere bilaterale Übung
werden viele von Ihnen schon aus meinen letzten Sendungen kennen:
Die Butterfly-Technik.
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Der Steinzeitmensch hat also seine Sorgen und emotionalen Verletzungen
beim Laufen auf ganz natürlich Weise geheilt. Bei 20.000 Schritten
am Tag passiert das so einfach nebenbei. In der heutigen Zeit macht
aber der Otto-Normalverbraucher nur noch etwa 2.000 bis 4.000 Schritte
am Tag. Das reicht weder für den Erhalt der körperlichen
Gesundheit aus noch für die Förderung des emotionalen
Gleichgewichts. Schon allein um körperlich langfristig gesund
zu bleiben und die Gefahr chronischer Krankheiten zu verringern,
sollten Sie jeden Tag mindestens 10.000 Schritte gehen. Um erfolgreich
abzunehmen, sollten Sie sogar zwischen 12.000 und 20.000 Schritten
gehen.
Wie können Sie jetzt aber über die körperliche
Gesundheit hinaus das Gehen oder auch Laufen einsetzen, um sich
von Ihren Sorgen und emotionalen Belastungen zu befreien?
Bevor wir diese Frage beantworten, vorweg noch ein anderer wichtiger
Aspekt. Die bilaterale Aktivierung des Gehirns beim Gehen bewirkt
natürlich nicht, dass Sie Ihre Sorgen und emotionalen Belastungen
vergessen oder sie einfach verschwinden. Es heißt vielmehr,
dass Sie sie in einem neuen Licht sehen, sie anders verstehen und
das, was Sie so viele Nerven gekostet hat, jetzt relativieren können.
Wenn Sie das Gehen einsetzen wollen, um schmerzliche Erlebnisse
zu verarbeiten oder auch um belastenden Gedanken das Gewicht zu
nehmen, gehen Sie einfach wie folgt vor.
Wählen Sie zunächst ein Thema aus, das Sie bearbeiten
möchten. Das können vergangene schmerzliche Erlebnisse
sein, Kränkungen, Gefühle von Ärger bis hin zu Sorgen,
die Sie sich um ein bestimmtes Thema machen.
Dann fassen Sie bitte in wenigen Worten zusammen, was für
Sie der Kern des Themas ist. Also zum Beispiel „Er hatte
kein Recht so mit mir zu reden!“ oder „Ich habe Angst
davor, diese Rede zu halten!“.
Wenn Sie das Gehen für eine kreative Problemlösung nutzen
wollen, dann formulieren Sie eine konkrete Frage. Zum Beispiel: „Wie
kann ich neue Kunden für mein Unternehmen gewinnen?“
Wenn Sie das Thema und die Kernaussage formuliert haben, denken
Sie bitte daran und schätzen Sie die emotionale Ladung dieses
Themas auf einer Skala von -10 bis 0 ein. -10 ist dabei das negativste
Gefühl, das Sie kennen und 0 ist neutral.
Dann suchen Sie sich bitte eine Strecke, die mindestens 1 ½,
idealerweise 3 km lang ist. Pro Kilometer brauchen Sie bei durchschnittlichem
Gehtempo etwa 15 Minuten. Wenn Sie etwas schneller gehen 10 Minuten.
Jetzt nehmen Sie Ihr Problem und gehen los. Während Sie mit
Ihrem Thema gehen, erinnern Sie sich immer wieder daran, Ihre Aufmerksamkeit
auf das Thema zu lenken. Machen Sie sich ein inneres Bild von diesem
Thema und halten Sie dieses Bild während des Gehens in Ihrer
Vorstellung in einer angenehmen Entfernung vor Ihrem Brustkorb.
Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Bild und gleichzeitig auf
die bilateralen Bewegungen während des Gehens. Dann ist die
Wirkung am Stärksten.
Nach spätestens 20 Minuten spüren Sie wahrscheinlich
schon eine deutliche Besserung, wenn Sie an das Thema denken. Schätzen
Sie dann das Thema erneut auf der Skala von -10 bis 0 ein. Und
gehen Sie bis Sie auf der Skala bei -1 bis 0 sind.
Achten Sie auch darauf, wie sich Ihre Gedanken zu diesem Thema
verändert haben. Aus „Ich war verletzt und es tut immer
noch weh.“ wird vielleicht „Ich habe viel daraus gelernt,
auch wenn es unangenehm war.“.
Wenn Sie das Gehen zur kreativen Problemlösung einsetzen,
dann halten Sie einfach Ihre Frage immer wieder im Fokus und lassen
Sie Ihre Gedanken dabei gleichzeitig frei schweifen.
Und der schöne Nebeneffekt ist: Schon drei Spaziergänge
in der Woche von jeweils 30 Minuten Dauer sorgen dafür, dass
Sie langfristig gesund bleiben.
Fische schwimmen, Vögel fliegen, Menschen gehen. Nehmen Sie
Ihr Problem und gehen Sie los…
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